Tauchen in Jordanien, schonmal davon gehört? Nein? Ich auch nicht!
Mit Jordanien verbindet man meist eine beeindruckende Landschaft, jahrtausendealte Kultur und orientalisches Essen. Das Feeling für Strand- oder gar Tauchurlaub kommt bei den Meisten eher weniger auf.
Ich muss gestehen, auch ich hätte Jordanien nicht unbedingt für einen Tauchurlaub in Erwägung gezogen, wären mein Freund und ich nicht zu einem Unterwasser Fotowettbewerb in Aqaba eingeladen worden. Nach 10 Tagen tauchen in Jordanien muss ich sagen – wir wurden eines Besseren belehrt. Jordanien hat kristallklares Wasser, eine atemberaubende Unterwasserlandschaft und spektakuläre Wracks zu bieten und damit definitiv einen Platz auf der Bucket-List eines jeden Tauchers verdient!
Natürlich haben wir uns auch einen Tag Zeit genommen, um Jordanien an Land kennen zu lernen. Bei einem Tagesausflug nach Petra und Wadi Rum konnten wir das kulturelle Erbe Jordaniens inmitten der eindrucksvollen Landschaft erkunden.
01 – Tauchen in Aqaba
Jordanien liegt am Roten Meer, einem Hotspot für Taucher. Die Küste Jordaniens ist zwar nur 30 km lang, bietet aber mehr als 25 verschiedene Tauchspots. Aqaba, als einzige Hafenstadt Jordaniens, ist der ideale Ausgangspunkt für Tauchabenteuer.
Der Golf von Aqaba hat Unterwasser einiges zu bieten. Abdullah II. bin al-Hussein, der König von Jordanien, ist selbst leidenschaftlicher Taucher und sehr engagiert im Schutz der Unterwasserwelt. Um Tauchern eine außergewöhnliche Erfahrung bieten zu können ließ er zur Entstehung künstlicher Riffe bereits mehrere Wracks versenken, unter anderem diverse Panzer und Flugzeuge. Viele dieser Wracks sind mittlerweile von Korallen bewachsen und somit bereits Teil des Riffs geworden.
Nebenbei trifft man beim Tauchen in Jordanien auf eine einzigartige Artenvielfalt. Der Golf von Aqaba ist etwas salziger als das Rote Meer und beheimatet mehr als 200 verschiedene Korallenarten und über 1000 Fischarten. Wer, so wie ich, ein Fan von bunten Meeresbewohnern ist, will hier nicht mehr aus dem Wasser. Feuerfische, Kugelfische, Papageienfische, Oktopusse, Anemonenfische, Seepferdchen und Nudis trifft man hier an jeder Ecke.
An allen Tauchspots sind Bojen vorhanden um regelmäßiges ankern zu verhindern und die Riffe vor Beschädigung zu schützen. Der Großteil der Tauchspots muss nicht tief getaucht werden und ist somit auch für Anfänger geeiget. Aber auch für erfahrene und technische Taucher gibt es hier viel Aufregendes zu entdecken.
Wer eine Tauchreise nach Aqaba plant hat für die Anreise 2 Möglichkeiten: Entweder man fliegt nach Amman (Queen Alia International Airport) und fährt anschließendmit dem Bus oder Taxi weiter nach Aqaba (ca. 4 Stunden Reisezeit). Oder man fliegt den kleinen Flughafen in Aqaba (King Hussein International Airport) an, der nur 15 min vom Stadtzentrum entfernt ist. Flüge nach Aqaba sind meist teurer als Flüge nach Amman, rechnet man die Zeitersparnis plus die Transportkosten von Amman nach Aqaba mit ein, zahlt es sich aber definitv aus direkt nach Aqaba zu fliegen.
02 – Die 3 besten Tauchspots in Jordanien
Jordaninen hat auf seinen 30 km Küste eine Menge verschiedener Tauchspots zu bieten. Highlight sind aber definitv die diversen Wracks, die mittlerweile Teil der bunten Riffe geworden sind. Wer zum Tauchen in Jordanien ist muss diese 3 Wracks unbedingt gesehn haben. Jedes einzelne ist, auf seine eigene Art und Weise, atemberaubend.
Cedar Pride
Die 75m lange Cedar Pride war ein libanesischer Frachter, der 1982 im Hafen von Aqaba Feuer fing und dabei schwer beschädigt wurde. Nachdem das Schiff 3 Jahre lang vor sich hin rostete beschloss König Abdullah II. es im Zuge eines Korallenprojekts im Jahr 1985 zu versenken um ein künstliches Riff entstehen zu lassen.

Heute ist die Cedar Pride eines der bekanntesten und meist-fotografierten Wracks im Roten Meer und einer der beliebtestens Spots zum Tauchen in Jordanien. Sie liegt in 28m Tiefe auf ihrer Backboardseite, umgeben von einem wunderschönen Riff und ist von diversen Weich- und Hartkorallen bewachsen.
Das Wrack und seine Strukturen sind noch sehr gut erhalten. Der Bug, die Aufbauten, die Reling und die große Schiffschraube sind deutlich zu erkennen und laden zu Erkundungstouren ein. Insebsondere der Mastkorb, der mit einer Vielzahl von bunten Weichkorallen bewachsen ist, springt einem sofort ins Auge.
Egal wo man hinschaut, überall gibt es eine Unmenge an kleinen und größeren Meeresbewohnern zu entdecken. Die typischen Rifffische wie Papageienfische, Schmetterlingsfische und Kaiserfische drehen hier ihre Runden. Um die winzigen Pfeifenfische, Kugelfische und Nudis zu entdecken muss man etwas genauer hinsehen. Nahe des Mastendes sitzt, bestens getarnt, ein ziemlich großer Anglerfisch und wartet auf vorbeischwimmende Beute.
Wir waren hier um Fotos zu machen, also hier ein paar Eindrücke:
Ingesamt habe ich 3 Tauchgänge zur Cedar Pride gemacht, gesehen habe ich dabei noch lange nicht alles. Wer zum Tauchen in Jordanien ist sollte die spektakuläre Cedar Pride also mindestens 2 mal einplanen, es zahlt sich aus!
Lockheed L-1011 Tristar
Die Lockheed L-1011 Tristar war ein Großraumflugzeug mit Platz für 400 Passagiere und wurde vor allem für Mittel- und Langstreckenflüge verwednet.
Im Jahr 2019 wurde die sie im südlichen Teil des Golfs von Aqaba abseits anderer Riffe versenkt um als Lebensraum für Meeresbewohner zu dienen. Heute liegt die Tristar auf abfallendem Grund in 18 – 28m Tiefe und ist somit vor allem für erfahrene Taucher geeignet.
Mit einer Länge und Spannweite von jeweils 50m bietet die Tristar viel Raum zum Erkunden. Alle 6 Türen des Wracks stehen offen und laden zum betauchen ein. Im Innenraum wurden die Sitze der Mittelreihe entfernt um einen großen Korridor zu schaffen. Die seitlichen Sitzreihen sind noch intakt, genauso wie die Toilette und die Bordküche.
Ich muss sagen, es ist Anfangs schon ein merkwürdiges Gefühl, den Mittelgang eines Flugzeuges entlang zu tauchen. Das kristallklare Wasser und die leichte Neigung, mit der das Wrack am Grund liegt, machen diese Erfahrung noch etwas surrealer.
Mittlerweile haben sich Korallen rund um das Flugzeugwrack angesiedelt und diverse Fische sind eingezogen. Auf Höhe der mittleren Tür verstecken sich gerne Kugelfische unter den Sitzen, am Weg zum Cockpit begegnet man hin und wieder Feuerfischen. Im Cockpit selbst können diverse Fluginstrumente und Schalter entdeckt werden.
Auch hier war unsere eigentliche Mission der Fotowettbewerb, also hier ein paar Eindrücke:
Ich habe insgesamt 3 Tauchgänge zur Tristar gemacht und mich dabei von Mal zu Mal mehr in dieses Wrack verliebt. Ich war schon immer ein Fan von Schiffwracks, aber ein Flugzeugwrack, das so gut erhalten und auch noch betauchbar ist, beeindruckt auf seine ganz eigene Art und Weise. Die Tristar ist eine ganz besondere Taucherfahrung und mein Lieblingsspot zum Tauchen in Jordanien. Sie sollte bei allen Tauchern ganz weit oben auf der Bucket-List stehen.
Military Museum
Im Military Museum warten gleich 21 verschiedene Wracks darauf erkundet zu werden. Dieser Tauchspot soll dabei aber nicht an ein klassisches Museum erinnern, sondern vielmehr eine Brücke zwischen Jordaniens turbolenter Vergangenheit und friedvoller Zukunft darstellen.
Diverse jordanische Behörden haben hierfür zusammengearbeitet und nach monatelanger Planung diesen außeregewöhnlichen Tauchspot geschaffen. Die 21 Wracks wurden im Jahr 2019 auf sandigem Grund in unterschiedlicher Tiefe versenkt und sollen sowohl Schnorchler und Taucher anziehen als auch die Basis zur Entstehung eines künstlichen Riffs bieten.
Im Norden in ca. 6m Tiefe stößt man auf Willys MB Jeeps, rundherum tummeln sich kleine, bunte Rifffische. Etwas tiefer auf ca. 15m wartet eine Armee aus Panzerwaagen, Spähpanzern, Chieftain Panzern, M42 Dustern, einem gepanzerten Krankenwaagen und einem Chieftain Bergepanzer. Zwischen den Fahrzeugen haben sich mittlerweile teilweise Korallen angesiedelt und einige Rifffische drehen hier ihre Runden in der Suche nach Futter. Der Großteil der Fahrzeuge war bis 2000 in Verwendung des jordanischen Militärs, die Anordnung der verschiedenen Wracks in Gefechtsformation ist eine Anspielung daran..
Taucht man noch etwas weiter ab, so findet man auf 25 – 28m Tiefe eine Feldkanone sowie zwei Cobra Kampfhubschrauber. Auch hier findet man vereinzellte Korallenkollonien zwischen den Wracks und Feuerfische verstecken sich gerne in den Hubschraubern.
Auch hiervon gibt es natürlich ein paar Fotos:
Wer zum Tauchen in Jordanien ist sollte die Gelegenheit nutzen und die gesammte Sammlung erkunden. Dazu sollte man mindestens 2 Tauchgänge einplanen um ausreichend Zeit und Luft zur Verfügung zu haben. Ich habe insegsamt 3 Tauchgänge am Military Museum gemacht und dabei noch immer nicht alle Fahrzeuge gesehen. Mein Highlight war aber definitv der Cobra Kampfhubschrauber mit seinen langen, schräg stehenden Rotorblättern – den fand ich mega cool und sehr beeindruckend.
Generell habe ich hier aber die bunte Unterwasserwelt etwas vermisst. Ich bin ein Fan von Korallen und Co und mag es, wenn ein Wrack bereits Teil des Riffs geworden ist. Das ist hier noch nicht wirklich der Fall, daher ist auch die Anzahl der Fische noch überschaubar.
03 – Beste Reisezeit fürs Tauchen
In Jordanien wird das ganze Jahr lang getaucht und meist ist das Wasser kristallklar (ja wirklich kristallklar, als wäre es Luft!) mit Sichtweiten über 40m.
Jordanien hat heiße, lange Sommer und kühle, kurze Winter.
Im Frühling liegen die Außentemperaturen bei angenehmen 27-34°C und das Wasser hat 22-24°C. Jedoch kann die Sichtweite auf Grund von der Planktonblüte im März und April abnehmen. Der jordanische Sommer ist sehr heiß und trocken mit Außentemperaturen von durchschnittlich 39-42°C, das Meer erreicht Temparaturen von 25-28°C.
Im Herbst kann man Außentemperaturen von 30-36°C erwarten und das Wasser kühlt nur langsam ab und hat noch warme 24-27°C. Der Winter bringt oft starken Wind mit sich, wodurch sich die Außentemperatur von 20-22°C kälter anfühlen kann, vor allem wenn man nach dem Tauchgang nass auf dem Boot sitzt. Die Wassertemperatur sinkt auf 21°C.
Die beste Reisezeit zum Tauchen in Jordanien ist somit Mai – Juni und September – Oktober, mit angenehmen Wassertemperaturen, nicht allzu heißen Außentemperaturen und sehr guten Sichtverhältnissen.
Ich war Mitte Juni dort, das Wasser hatte 25°C und die Außentemperatur lag im Schnitt bei 39°C. Am Boot fühlt es sich nicht ganz so heiß an wie in der Stadt. Ich persönlich fand die Temperatur ok, würde aber den Hochsommer meiden.
04 – Preise für Fundives in Jordanien
Auch wenn viele Tauchspots vom Ufer aus erreichbar sind, wird in Jordanien meist vom Boot aus getaucht. Ein typischer Bootstrip startet gegen 09.00 Uhr, nach dem ersten Tauchgang gibt es Mittagessen, am Nachmittag folgt ein zweiter Tauchgang.
Tauchen in Jordanien ist sehr leistbar. Der Bootstrip mit 2 Tauchgängen inklusive Guide, Flaschen und Blei, sowie frisch gekochtem Mittagessen, Getränken (Wasser, Tee, Kaffe, Softdrinks) und Handtüchern an Board kostet in etwas 80 JOD (ca. 103€). Je nach Wunsch kann meist auch ein dritter Tauchgang eingeplant werden. Wer ohne Equipment reist kann für ca. 20 JOD (ca. 25€) pro Tag Equipment leihen.
Hat man vor an mehreren Tagen zu tauchen, dann zahlt es sich aus auf Tauch-Packages zurückzugreifen, wodurch sich die Kosten pro Tauchgang etwas verringern.
05 – Dive Center Empfehlung
Wir sind mit Deep Blue getaucht und ich kann dieses Dive Center nur wärmstens weiterempfehlen. Mohammed und sein Team sind äußerst professionell und bieten einzigartigen Kundenservice! Saif und der Rest der Crew an Board liest einem jeden Wunsch von den Augen ab und ist stehts hilfsbereit und zuvorkommend.
Deep Blue befindet sich in Talay Bay, South Beach, direkt am Strand. Das Boot ist top ausgestattet und lässt keine Wünsche offen: Toiletten, Duschen, Küche, Innenraum mit gemütlichen Sofas und großer Essecke, und Sonnendeck mit chilligen Liegeflächen. Das Mittagessen, dass die Jungs täglich frisch am Boot zubereiten, ist sehr vielfältig und mega lecker (und übertrifft einige Restaurants der Stadt). Nebenbei ist Deep Blue ein Mitglied von Green Fins und sehr engagiert im Schutz der Meere.
Aber am wichtigsten: vom ersten Moment an, an dem ich das Boot betreten habe, habe ich mich als Teil der Deep Blue Familie gefühlt. Das Team vom Deep Blue hat die Erfahrung dieses Wettbewerbs so einzigartig gemacht und ich komme nächstes Jahr sehr gerne wieder!
Wer zum Tauchen in Jordanien auf der Suche nach einem professionellen Dive Center mit hohen Sicherheitsstandards, bestem Kundenservice und Leidenschaft für den Schutz der Meere ist, ist hier bestens aufgehoben.
06 – Tauchen in Jordanien: In a Nutshell
Nach 10 Tagen Tauchen in Jordanien bin ich absolut hin und weg von den spektakulären Wracks, der Artenvielfalt und dem kristallklaren Wasser. Da einige der Wracks noch nicht allzu lange am Meeresgrund liegen zahlt es sich auch aus wieder zu kommen und zu beobachten, wie langsam bunte Riffe daraus entstehen und mehr und mehr Fische darin ihr Zuhause finden.
Es gibt hier für Anfänger und erfahrene Taucher Einzigartiges zu sehen, und davon wahrscheinlich sogar mehr, als man in einem einzigen Urlaub unterbringen kann. Daher sollte Jordanien bei jedem Taucher weit oben auf der Bucket-List der Tauchdestinationen stehen!



















