Ein Visum für Thailand in Hanoi beantragen – wie man es nicht macht

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Ein neues Visum soll kostengünstig und schnell bearbeitet sein. Hier also ein Erfahrungsbericht, wie man das ganze teuer und mit zu langer Bearbeitungszeit macht:

Ein Visum für Thailand kann man nur beantragen, während man sich nicht in Thailand aufhält. Daher reise ich alle 2 – 3 Monate aus und kurz darauf wieder ein – das ganze nennt sich dann Visa Run. Es gibt einige Reisebüros die sich auf Visa Runs in die umliegenden Länder Thailands spezialisiert haben und komplett organisierte Trips, je nach gewünschtem Visum, anbieten.

Ich habe mir vorgenommen meine Visa Runs zu nutzen um neue Länder und Städte zu entdecken, anstatt einfach nur 2 Tage in einem Reisebus zu sitzen um irgendwelche shady Grenzposten zu überqueren. Und da ich noch nie in Vietnam war will ich mein nächstes Visum für Thailand in Hanoi beantragen.

In diesem Post teile ich meine Erfahrungen aus Hanoi und erzähle dir, warum du Hanoi in Sachen Visum vermeiden solltest. Gleichmal vorweg: solltest du nach einer schnellen und unkomplizierten Variante suchen, dann schau dir meinen Post über den Visumsprozess in Kuala Lumpur an, in Hanoi wirst du nicht fündig.

einen Visa Run nach Hanoi planen

Wie beim Reisen in Südostasien habe ich alles sehr spontan organisiert und gebucht – eventuell etwas zu spontan… Mein altes Visum läuft an einem Mittwoch ab, am Donnerstag zuvor beginne ich mit den Vorbereitungen für den Visa Run. 

Donnerstag. Von der Website der thailändischen Botschaft in Hanoi erfahre ich, dass die Bearbeitungszeit für ein 60 Tage Touristenvisum offiziell bei 1 – 3 Tagen liegt, normalerweise ist das Visum aber bereits am Nachmittag des Folgetages abholbereit. Doch darauf will ich mich nicht verlassen, daher beschließe ich bereits am Dienstag auszureisen, somit kann ich meinen Antrag am Mittwoch einreichen und am Freitag Abend wieder ausreisen. Das heißt ich halte die 3 Tage Bearbeitungszeit ein ohne das Wochenende in Hanoi abwarten zu müssen. 

Ich buche einen Termin bei der thailändischen Botschaft in Hanoi für Mittwoch 10.00 Uhr und beginne alle nötigen Dokumente zusammenzutragen. Gleichzeitig beantrage ich ein E-Visum für Vietnam, auch hier werden einige Dokumente gefordert: Flugtickets, Hotelreservierung, Fotos, etc. So weit bin ich in meiner Planung noch nicht. Also organisiere ich zuerst Fähre, Bus und Flüge von Koh Tao nach Hanoi und zurück – das ganze dauert immer ein bisschen, hier muss man alles aufeinander abstimmen und dabei Verspätungen etc. mit einberechnen. Als endlich alles gebucht ist, ist es nach Mitternacht und ich verschiebe die weitere Planung auf den nächsten Tag.

Am Freitag beantrage ich mein Visum für Vietnam und ich suche ein Hotel. Da ich ziemlich kurzfristig buche bekomme ich einen tollen last minute Deal auf Booking.com inklusive kostenlosem upgrade der Zimmerkategorie. Anschließend versuche ich an alle Dokumente für das Visum für Thailand zu kommen. Dazu brauche ich unter anderem meinen Mietvertrag (den es nicht gibt), Passfotos, und Flugtickets für die Ein- und Ausreise. Während ich nach einem günstigen Alibi-Flug raus aus Thailand suche (werde den nie antreten, sondern das Visum nochmal verlängern), bekomme ich eine Email vom E-Visa Service aus Vietnam: die Bearbeitungszeit beträgt 3 Werktage, mein Visum für Vietnam wird voraussichtlich erst Mittwoch Nachmittag fertig und somit nach meiner geplanten Einreise – die ist für Dienstag Abend geplant.Ich kann umgerechnet 130€ bezahlen, um das Visum als “Rush-Visa” anzumelden und eine Bearbeitung innerhalb von einem Werktag zu bekommen. Oder ich ändere meine Reisepläne? Meine Hotelreservierung könnte ich noch stornieren, meine Flüge jedoch nicht, die würden einfach verfallen. Die Suche nach einem Plan B mit neuem Reiseziel und der besten Fähre/Bus/Flug Kombi beginnt. Da es wieder nach Mitternacht ist und am Samstag sowieso keine Visumanträge bearbeitet werden, beschließe ich mich am nächsten Tag weiter damit zu beschäftigen.

Am Samstag morgen stelle ich dann überrascht fest, dass meine Hotelreservierung nur bis Freitag 23.59 Uhr stornierbar war, somit erspar ich mir die Suche nach einem Plan B und bezahle die 130€ für ein Rush-Visa für Vietnam…

Bis Dienstag organisiere ich noch die restlichen Dokumente für mein Visum für Thailand. Ich frage meinen Vermieter nach einem Mietvertrag, er schlägt vor die monatlichen Rechnungen für Miete und Betriebskosten (ein Screenshot der Kostenaufstellung in einer Exceltabelle) bei der Botschaft vorzulegen. Ich bin etwas unsicher ob das ausreichen wird, immerhin könnte ich mir das selbst zusammenbasteln. Er bietet an eine Rechnung über eine Vorauszahlung der Miete für die nächsten 3 Monate zu schreiben und versichert mir, dass das reichen wird.

Eine Rechnung der bezahlten Miete für mein Visum für Thailand in Hanoi.
Die Rechnung über die Vorausbezahlte Miete, die mir mein Vermieter schickt.

Zusätzlich schickt er mir einen Screenshot von meiner Registrierung in Thailand, die muss jeder Vermieter für seine Mieter machen. Ich drucke alles aus bin bereit für den Termin bei der Botschaft. Das einzige, das mir noch fehlt, ist die Bearbeitungsgebühr von 40 USD. In Vietnam sind US Dollar ein beliebtes Zahlungsmittel und laut Google kann man in Vietnam so gut wie überall USD wechseln, daher besorge ich die, wenn ich dort bin.

Am Dienstag läuft alles nach Plan, ich nehme die Fähre um 9.30 Uhr und fliege von Surat Thani über Bangkok nach Hanoi. Ich lande gegen 20.30 Uhr, kaufe noch am Flughafen eine Simkarte und buche mir ein Grab zum Hotel. Der Termin bei der Botschaft ist am Mittwoch um 10.00 Uhr, vom Hotel sind es ca. 15 Minuten zu Fuß dort hin. Es bleibt morgens nach dem Frühstück also genügend Zeit, um am Weg zur Botschaft noch US Dollar zu besorgen. Das Hotel empfiehlt mir sogar eine Bank, die am Weg zur Botschaft liegt.

Die Suche nach US Dollar

Am Mittwoch morgen mache ich mich also kurz vor 9.00 Uhr auf den Weg zu dieser Bank. Dank Google Maps ist sie leicht zu finden. Ich spaziere fröhlich hinein und frage eine Bankangestellte, ob ich hier US Dollar bekomme. Sie schaut mich unsicher an und fragt “Western Union?”. Nein, kein Western Union, ich möchte entweder USD von meinem Konto beheben oder eine andere Währung auf USD wechseln erkläre ich ihr. Sie schickt mich zum Geldautomat vor der Tür, da bekomme ich USD. Easy! Ich geh also vor die Tür und stecke meine Karte in die Maschine, wähle Englisch als Sprache und gebe meinen Pin ein. Bei der Wahl des Geldbetrages habe ich aber nur Vietnamesische Dong zur Verfügung. Vielleicht habe ich etwas übersehen? Ich breche ab und beginne nochmal von vorne – mit dem selben Ergebnis. Wähle ich die Währung eventuell danach? Nein, ich habe gerade 1.000.000 VND behoben. Verwirrt gehe ich zurück in die Filiale und frage die nette Bankangestellte, wie ich hier US Dollar beheben kann. Sie schaut mich an, als hätte ich keine Ahnung vom Leben und bietet mir an, mir draußen am Geldautomat zu helfen. Dort steckt sie für mich meine Karte in die Maschine, bittet mich meinen Pin einzugeben und zeigt mir dann, wie ich den gewünschten Geldbetrag auswählen kann – in Vietnamesischen Dong. Als ich ihr wieder erkläre dass ich USD brauche schaut sie mich vorwurfsvoll an und erklärt – als wäre es das selbstverständlichste der Welt – dass man in Vietnam nur Vietnamesische Dong von Geldautomaten beheben kann. Ich müsse natürlich zuerst VND beheben und könnte diese dann in USD wechseln. Ich bedanke mich für ihre Hilfe, behebe somit nochmal 1.000.000 VND und folge ihr zurück in die Filiale. Dort setze ich mich zu ihr an den Schalter und lege ihr all meine Vietnamesischen Dong hin. Sie nimmt das Geld in die Hand und schaut mich fragend an. Ich bin etwas verwirrt, was braucht sie denn außer den Vietnamesischen Dong noch? Einen Ausweis vielleicht? Nein. Schließlich fragt sie, was ich denn mit dem Geld möchte. Ich erkläre ihr zum gefühlt hundertsten Mal, dass ich 40 USD bräuchte und bitte sie das Geld zu wechseln. Daraufhin legt sie die VND wieder vor mich hin, schüttelt den Kopf und sagt “wir wechseln hier nicht auf US Dollar”. Bitte was? Ich bin maximal verwirrt und frage sie nochmal nach 40 USD. Sie erklärt mir, sie nehmen USD an, geben sie aber nicht aus. Wo ich sonst USD bekommen könnte weiß sie natürlich auch nicht – warum frage ich sie überhaupt noch? Danke für nichts also…

Es ist 9.18 Uhr, mein Termin bei der thailändischen Botschaft ist in 42 Minuten und ich habe keine Ahnung woher ich die Bearbeitungsgebühr von 40 USD bekomme. Gestresst verlasse ich die Filiale und gehe zur nächsten Bank. Ich frage wieder nach US Dollar, aber auch hier werden USD nur angenommen und nicht ausgegeben.

Um 9.29 Uhr und 4 Bankfilialen später ändere ich meine Taktik. Ich suche nach Money Exchange auf Google Maps und mache mich auf den Weg zum nächsten Eintrag. Ich stehe vor einem riesigen Gebäude, eine Bank oder so, und ganz groß und offiziell stehen Money Exchange und daneben Symbole für Euro, US Dollar, Yen und Co. darauf. Hoffnungsvoll spaziere ich hinein. Am Money Exchange Schalter angekommen erklärt mir die nette Dame, dass auch hier USD nur angenommen aber nicht ausgegeben werden. Verzweifelt frage ich, wo ich denn in Hanoi USD bekommen könnte. Ihre Antwort: “im Schmuckgeschäft”. Schmuckgeschäft? Ein Schmuckgeschäft soll von VND auf USD wechseln, wenn es jede Bank verweigert? Sie sagt viele Schmuckgeschäfte akzeptieren Zahlungen in USD und manche sind bereit, von VND auf USD zu wechseln. Sie empfiehlt mir einfach herumzuspazieren und in verschiedenen Schmuckgeschäften nachzufragen.

Es ist 9.36 Uhr, und da ich keine bessere Idee habe mache ich mich auf die Suche nach einem Schmuckgeschäft. 100m vom Money Exchange entfernt finde ich eines, aber auch hier wird meine Frage nach USD abgewiesen. Ein paar Schritte weiter ist ein weiteres Schmuckgeschäft. Hier wird mir ein anderes Schmuckgeschäft für das Wechseln von VND auf USD empfohlen, gleich um die Ecke. Mittlerweile bin ich an dem Punkt, an dem ich nicht mehr durch die Straßen gehe sondern laufe – egal wie verrückt der Verkehr um mich herum ist. Ich öffne hoffnungsvoll die Tür des mir empfohlenen Schmuckgeschäfts und erkläre ich habe Vietnamesische Dong und bräuchte US Dollar. “Kein Problem” bekomme ich zur Antwort – habe ich gerade wirklich US Dollar gefunden? Die Verkäuferin fragt wie viel USD ich brauche und nennt mir den Betrag in VND um auf 40 USD zu wechseln. Ich kann es kaum glauben und ziehe bereitwillig meine frisch behobenen Vietnamesischen Dong aus meiner Geldtasche. Plötzlich sieht die Verkäuferin das Geld in meiner Hand an, wirft mir einen komischen Blick zu und sagt, sie könne nicht wechseln. Wie jetzt? Ich frage wieder nach 40 USD aber sie schüttelt den Kopf während sie auf meine Vietnamesischen Dong starrt und sagt, sie hätte vergessen, dass sie zur Zeit keine USD im Geschäft habe. Was soll das jetzt? Ich weiß nicht was das Problem mit meinen Vietnamesischen Dong sein soll, habe aber auch keine Zeit mit ihr zu diskutieren, hier bekomme ich definitiv keine US Dollar. Panisch laufe ich zurück auf die Straße und weiß nicht wo ich es als nächstes versuchen soll. Planlos gehe ich in die umliegenden Geschäfte, versuche meine Panik hinter einem freundlichen Lächeln zu verstecken und frage, ob man hier von VND auf USD wechseln kann. Das kommt gar nicht gut an…. Ich bekomme nicht nur ein klares Nein als Antwort, sondern werde gleichzeitig auch noch sehr verachtend angesehen. Ich fühle mich, als würde ich random fremde Leute nach Drogen fragen und beginne zu bezweifeln, dass das Wechseln von VND auf USD in Vietnam legal ist. 

Es ist 9.42 Uhr, ich habe keine Ahnung wo in Hanoi ich im Moment bin und wie weit es zur thailändischen Botschaft ist. Und selbst wenn, habe ich nicht die richtige Währung um für mein Visum zu bezahlen. Was mache ich hier? Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sehe ich ein Geschäft, das wie ein gehobeneres Schmuckgeschäft aussieht. Ein letzter Versuch in einem Schmuckgeschäft? Hab ich einen besseren Plan? Nein… Ich stürme in das Schmuckgeschäft und bemerke bereits beim betreten, dass es kein Schmuckgeschäft ist. Hier stehen glänzende Bonsai-Nachbildungen aus Metall und diverse Perlen und Steine sind an der Wand ausgestellt. Mein freundliches Lächeln versteckt mittlerweile nichts mehr, Stress und ein Hauch von Panik sind mir ins Gesicht geschrieben. Eine sehr nette Mitarbeiterin kommt zu mir, lächelt mich an und fragt mich hoffnungsvoll: “Haben Sie den Baum?”. Ich habe keine Ahnung wovon sie spricht und auch keine Zeit um über Bäume zu diskutieren. Ich entschuldige mich, sag ihr ich hab keinen Baum, bin auch nicht für Bäume hier, sondern wollte nur fragen ob sie weiß, wie man in dieser Stadt an US Dollar kommt. Ich glaube sie erkennt meine Verzweiflung und fragt mich nach meinem Handy, sie will mir auf Google Maps eine Straße zeigen, in der ich USD bekomme. Na toll, wenn sie Google Maps dafür braucht ist es wahrscheinlich ein gutes Stück entfernt und ich schaffe es nicht mehr rechtzeitig dort hin… Sie gibt mir mein Handy zurück und sagt, jedes Geschäft in dieser Straße wechselt von VND auf USD.

Es ist 9.46 Uhr und es sind 7 Minuten Fußweg zu der Straße P. Hà Trung. Ich habe nicht wirklich Zeit um darüber nachzudenken, ob sich das noch ausgeht. Ich bedanke mich bei der netten Verkäuferin und beginne zu laufen. 4 Minuten später erreiche ich die Straße und was soll ich sagen…. sehr shady! Es ist mehr eine kleine Seitengasse als eine Straße, weit und breit keine Touristen in Sicht. Spätestens jetzt bin ich mir sicher, dass das Wechseln von VND auf USD mit Drogenhandel gleichzusetzen ist. Ich frage in dem ersten Shop nach USD und werde sofort reingebeten. Ich habe keine Ahnung was hier eigentlich verkauft wird, es gibt ein paar leere Vitrinen, am Boden liegen hier und da Kartonboxen und 3 Männer sitzen auf kleinen Hockern und starren auf den Fernseher an der Wand. Die Verkäuferin steht mit einem kleinen Notizblock und einem Taschenrechner hinter der Theke und fragt, wie viel USD ich brauche. Wieder lege ich meine frisch behobenen Vietnamesischen Dong hin und sage ihr, ich möchte 40 USD. Und ich kann es kaum glauben, aber ich bekomme 40 USD. Nur habe ich keine Ahnung, ob die echt sind. Wenn man bedenkt, wie ich zu diesem Geld gekommen bin, bezweifle ich es ehrlich gesagt. Aber ich habe absolut keine Ahnung, woran man echte oder unechte US Dollar erkennt und auch keine Zeit mich damit zu befassen.

Es ist 9.52 Uhr. Ich suche die thailändische Botschaft auf Google Maps – 10 Minuten zu Fuß – und beginne zu laufen. Und man möge es kaum glauben, aber um 9.59 Uhr betrete ich die thailändische Botschaft mit allen Dokumenten und 40 USD in meiner Geldtasche. 

Die thailändische botschaft

Es ist 10.00 Uhr. Nachdem meine Daten am Eingang überprüft wurden werde ich zum Schalter für Visa Angelegenheiten geschickt. Hier empfängt mich eine sehr nette Dame. Ich übergebe ihr meinen Stoß an Papierkram und beginne zu beten, dass die US Dollar nicht offensichtlich gefälscht aussehen. Sie beginnt sich durch die Dokumente zu wühlen und fragt sofort nach meinem Mietvertrag. Ich erkläre ihr, dass ich keinen Vertrag habe, aber die Rechnungen und Registrierung vorlege. Das reicht natürlich nicht… hätte ich mir auch denken können. Sie will einen Mietvertrag, oder ein Schreiben von meinem Vermieter in dem er bestätigt, dass ich mit ihm ein Mietverhältnis habe. Außerdem will sie Dokumente sehen, die belegen, dass mein Vermieter der Eigentümer meiner Wohnung ist. Sie gibt mir meinen Papierkram zurück und sagt, ich soll die fehlenden Nachweise besorgen und dann damit wiederkommen – bis 12.00 Uhr könnte ich ohne neuen Termin zurückkommen.

Es ist gerade mal 10.15 Uhr und eigentlich habe ich schon genug für heute. Ich bin total kaputt und verschwitzt und will eigentlich nur zurück in mein Hotelbett. Ich schreibe also meinem Vermieter über Facebook – unser einziges Kommunikationsmittel – was die Dame auf der Botschaft zu den Dokumenten sagt. Er versteht zwar überhaupt nicht, warum seine Exceltabellen nicht ausreichen, sieht aber nach längerem hin und her ein, dass er mir ein paar Zeilen schreiben muss anstatt des Mietvertrages. Eigentlich hat er gerade keine Zeit, aber weil er ein echt toller Vermieter ist versucht er, die Dokumente noch vor Mittag zu schicken. Ich sitze solange im Starbucks gegenüber der Botschaft und warte.

Um 11.20 Uhr schickt er dann zwei Fotos. Eines ist ein Handgeschriebener Brief, das andere eine schlechte Kopie von einem Dokument – beides in Thai. Ich habe also keine Ahnung was darin steht.

Letter Landlord Visum für Thailand in Hanoi
Der Brief meines Vermieters.

Aber er meint, die zwei Dokumente sollten für die Botschaft reichen. Da ich sowieso nicht weiß, wo ich etwas ausdrucken kann, gehe ich vorher zur Botschaft zurück und frage, ob sie die Dokumente so akzeptieren. Dort fragt die Dame noch ein paar Mal nach einem Mietvertrag und will nicht glauben, dass ich keinen habe. Sie schlägt sogar vor, mein Vermieter soll jetzt einen aufsetzen und per Mail schicken. Schlussendlich akzeptiert sie aber dann die zwei neuen Dokumente statt dem Mietvertrag (hätte ich mir nicht gedacht!) und schickt mich zu einem Copy Shop um die Ecke.

Um 11.55 Uhr bin ich dann zurück an der Botschaft und reiche offiziell meinen Visumantrag ein. Die 40 USD nimmt sie ohne Probleme entgegen – ich bezweifle die Echtheit aber weiterhin und glaube ich hatte einfach Glück, dass sie nicht genau hingeschaut hat. Während sie mir meinen Abholschein für meinen Pass gibt sagt sie mir, dass ich per Email verständigt werde, wenn mein Pass abholbereit ist. Außerdem sagt sie, ich werde meinen Flug am Freitag wahrscheinlich nicht antreten können, das Visum wird nicht rechtzeitig fertig werden. Dabei habe ich doch extra die 3 Tage Bearbeitungszeit, die es normalerweise nicht braucht, eingeplant? Ja, aber Mittwoch wird als Tag 0 gezählt, und da viel los ist dauert es im Moment meist 3 Tage. Sie kann mir nichts genaueres sagen, sie wollte mich nur darüber informieren da sie mein geplantes Einreisedatum am Visumantrag gesehen hat.

Ich bedanke mich freundlich und gehe, an der Situation ändern kann ich ja sowieso nichts. Mein Pass ist abgegeben und somit kann ich hier nicht weg. Außerdem gehe ich davon aus, dass sie nur das Einreisedatum, nicht aber die Abflugzeit gesehen hat. Mein Flug geht Freitag am frühen Abend, ich kann also Freitag Nachmittag meinen Pass abholen und dann direkt weiter zum Flughafen. Ich hab das ja alles gut durchdacht!

Abwarten und Kaffee trinken

Ich konzentriere mich erstmal auf meinen Aufenthalt in Hanoi. Schließlich bin ich hier, um ein neues Land kennen zu lernen. Drei Tage lang erkunde ich Hanoi und checke dabei ständig meine Mails am Handy – schon fast im Minutentakt. Nichts.

Am Freitag ist es Zeit es einzusehen, ich bleibe übers Wochenende in Hanoi. Mein Flug nach Bangkok verfällt, aber meine Fähre kann ich auf Montag umbuchen. Ach, und mein toller Hoteldeal ist nicht mehr ganz so günstig, wenn man das Zimmer übers Wochenende verlängern muss – ohne last minute Deal oder kostenlosem Upgrade.

Montag Nachmittag habe ich noch immer keine News von meinem Visa. Da ich mir schön langsam Sorgen mache beschließe ich bei der Botschaft vorbeizugehen und nachzufragen. Am Schalter für Visa Angelegenheiten begrüßt mich die gleiche freundliche Dame mit den Worten “Ach, ich wollte gerade eine Mail schicken, der Pass ist fertig.” Ich bin leicht genervt, dass sie mich vergessen hat, aber happy meinen Pass wieder in den Händen zu halten. Ich mache micha auf den Weg zurück ins Hotel und buche meinen Trip nach Bangkok für Dienstag.

Am Dienstag, nach 6 Tagen hier, hatte ich genügend Zeit um Hanoi zu entdecken, mich in diese besondere Stadt zu verlieben und nebenbei bei einigen Tassen Kaffee im Starbucks all das hier aufzuschreiben.

Aber in Zukunft werde ich Visumanträge nur noch Montags einreichen…

Ein Kommentar

  1. Danke für all deine Erlebnisberichte – das war ja diesmal fast filmreif.

    Alles Gute!
    Peter

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